Geschichte
Über 100 Jahre Unabhängigkeit
Die Geschichte der Schweizerischen Depeschenagentur ist Teil der Geschichte der internationalen Nachrichtenagenturen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die grossen Agenturen Havas in Paris, Wolff in Berlin und Reuter in London. Die beiden Grossen der Branche Havas und Wolff teilten sich den Schweizer Markt auf. Angesichts dieser für die Schweiz nicht unproblematischen Lage schritten Verleger und Redaktoren des "Journal de Genève", des Berner "Bunds" und der "Neuen Zürcher Zeitung" zur Selbsthilfe. Sie gründeten 1894 zusammen mit anderen Schweizer Verlegern die Schweizerische Depeschenagentur, um einen unabhängigen Informationsaustausch sicherzustellen.
Am 1. Januar 1895 nahm die Agentur ihren Dienst mit acht Redaktoren auf.
Rasches Wachstum
Der SDA-Hauptsitz befand sich fast immer in Bern. In den Jahren 1906-1919 wurde die Auslandredaktion zwischenzeitlich - unter anderem wegen der besseren Telefonverbindungen - nach Basel verlegt. Über Jahrzehnte baute die SDA ihre Stellung als führende schweizerische Nachrichtenagentur kontinuierlich aus. Die ausländischen Nachrichten bezog sie bis zum Ersten Weltkrieg hauptsächlich von Wolff und Havas, dann kamen Reuter und eine Anzahl weiterer Agenturen dazu. Für den Inlanddienst wurde sukzessive ein Netz von festen und freien Korrespondenten aufgebaut: 1896 waren es bereits 50 Journalisten. Im Jahre 1900 bediente die SDA 71 Abonnenten. Dazu gehörten fast alle Tageszeitungen. Der Ausstoss betrug in diesem Jahr über eine Million Wörter (1895: 365 700 Wörter). Dringende Meldungen wurden bereits per Telefon statt per Telegraf übermittelt.
Unparteilichkeit als Richtschnur
Die SDA machte sich Unparteilichkeit zur Richtschnur ihrer journalistischen Tätigkeit. Während des Ersten Weltkrieges, als die direkten Nachrichtenverbindungen zwischen den feindlichen Staaten unterbrochen waren, kam der SDA eine wichtige Brückenfunktion für beide Seiten zu. Die Berichterstattung über internationale Kongresse, insbesondere den Völkerbund in Genf, brachte der SDA eine weitere Profilierungsmöglichkeit. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden die ausländischen Agenturen unter die Kontrolle ihrer Armeen gestellt. Die SDA erhielt die Berechtigung zur Selbstkontrolle.
Radionachrichtendienst
Neben dem Basisdienst als Hauptprodukt hat die SDA schon früh vielbeachtete Spezialdienste angeboten. Der wichtigste war für über 50 Jahre der Radiodienst.
Von 1924 an lieferte die SDA die Nachrichtentexte für das Radiostudio Zürich, ein Jahr später für die Studios in Genf, Basel und Bern. 1931 übernahm die Agentur die volle Verantwortung für Auswahl, Redaktion und Sprechdienste der Radionachrichten in deutscher und französischer, 1932 auch in italienischer Sprache. Während des Zweiten Weltkrieges gehörte der Radionachrichtendienst der Schweizerischen Depeschenagentur zu den meistgehörten Informationssendungen Europas. 1976 wurde der Radionachrichtendienst eingestellt, da die Radiostationen zunehmend selber die Redaktion ihrer Nachrichten übernahmen. 1997 führte die SDA, aufgrund entsprechender Bedürfnisse vor allem bei Lokalradios, die Radionachrichtendienste in Form der Swiss Radio News SRN wieder ein. Obwohl sich SRN bei den Kunden grosser Beliebtheit erfreute, musste der Radiodienst aufgrund anhaltend roter Zahlen Ende 2002 eingestellt werden. Heute produziert die SDA mit dem sda-Infoflash ein geschriebenes Radiobulletin.
Fernsehen, Telefon, Online und Mobile
1950 nahm die SDA in enger Zusammenarbeit mit den PTT den Telefonnachrichtendienst in Betrieb. Zwischen 1957 und 1965 bediente sie das Schweizer Fernsehen mit Nachrichtenbulletins in deutscher, französischer und italienischer Sprache. 1996 wurde der Telefonnachrichtendienst in den Kurznachrichtendienst KND integriert. Der KND erfuhr Ende 2001 eine weitgehende Restrukturierung. Aus ihm wurde der heutige sda-Onlinedienst. Die SDA bietet neben einem 7x24h-Online-Feed auch SMS-, MMS-, WAP- und andere Mobile-Dienste.
Elektronisches Archiv
1983 stellte die SDA die erste deutschsprachige Online-Volltextdatenbank zur Verfügung. Als die SDA ein Jahr darauf ihr konventionelles Papierarchiv zugunsten dieser rein elektronischen Dokumentation aufgab, kam dies einer kleinen Revolution gleich und läutete in mancher Mediendokumentation ein neues Zeitalter ein.



